Watzapvorleser

(21.Nov.2022) Die letzten zwei Tage herrschte knackiger Frost und gestern am späten Abend fing es dann an zu regnen. So weit, so egal…

Heute, am Montagmorgen, als es definitiv noch zu früh zum Verlassen des Bettes war, aber Schule und Arbeit riefen, hatten die Wischhandygestörten offenbar nichts besseres zu tun, als sich per Watzap gegenseitig zu terrorisieren. Und weil es ja nicht reicht, wenn die Deppen sich untereinander auf die Nüsse gehen, müssen auch alle, die wie ich mit voller Absicht keine asozialen Netzwerke nutzen, persönlich oder fernmündlich darauf hingewiesen werden, daß es auf der Straße glatt sei. Als ob man da nicht schon am Abend oder spätestens auf dem Weg zum Auto von ganz alleine hätte drauf kommen können – nein, wer in den asozialen Netzen gefangen ist, geht zwangsläufig davon aus, daß alle anderen auch nicht mehr zu selbstständigem Denken in der Lage wären. Der erste echte Gedanke am heutigen Montag war deshalb: „Hoffentlich kauft Elon Musk auch bald Watzap“.

Besserwisserei

(7.Nov.2022) Daß man nachher immer schlauer ist bzw. sein sollte, ist ja sprichwörtlich und bekannt – man könnte auch sagen: trivial. Warum aber scheinbar immer mehr Leute der Meinung sind, daß Klugscheißen im Nachhinein nicht mehr ausreicht, ist mir unklar. Wie kommt man auf die kranke Idee vergangene Epochen an den eigenen heutigen Maßstäben zu messen und, schlimmer noch, alle daraus resultierenden Folgen rückabwickeln zu wollen? Für mich begann dieser Schwachsinn mit der Wende. Damals wurde alles was in dem souveränen Staat DDR geschah plötzlich nach BRD-Maßstäben be- und vor allem verurteilt. Leute, die unter den ihnen bekannten Bedingungen Haus und Hof den Rücken kehrten, um im goldenen Westen ihr Glück zu (ver-)suchen, forderten und bekamen alles, was sie zurück gelassen hatten, wieder. Völlig verständnislos, wegen mangelnden Verständnisses, wird immer wieder die Frage gestellt, warum so viele Menschen so gut mit der DDR zurecht kamen. Gleiches gilt fürs dritte Reich. Wie konnten die Menschen nur…? Nicht, daß sich das nicht auch Zeitgenossen wie z.B. V. Klemperer gefragt hätten… Aber es waren, ob man es hören mag oder nicht, nun mal andere Zeiten.

Man sehe sich nur mal medizinische Standards, Konsumgewohnheiten (Alkohol, Tabak, Pervitin…) und Technik (Sicherheitsgurte?, Helme?, ABS?) von vor ein paar Jahrzehnten an.

Den derzeitigen Höhepunkt dieser auf Unwissenheit basierenden Geschichtsverwurschtelung stellen die Forderungen nach Rückabwicklung der Kolonialzeit dar. Als nächstes werden dann wohl die Kreuzzüge unter die moralische Lupe genommen und dann die Untaten der Mongolen in Europa – nachher noch die Verdrängung des Neandertalers durch den modernen Menschen.