Glaubwürdigkeit

(31.März2021) Wie man selbst bei den hartgesottensten (und berenteten) Stammwählern das letzte Bisschen Glaubwürdigkeit verspielt, machen unsere geliebten obersten Führer gerade vor:

Einen Impfstoff der Wahlkampfzielgruppe Nr.1 erst vorzuenthalten und dann, wenn er als zu unsicher für Rentenverdiener erkannt wurde, plötzlich nur noch an Alte zu verimpfen ist schon ziemlich… na sagen wir mal: fragwürdig.

War was?

(23.März2021) Imp- und Coronagipfel – mal wieder. Und mal wieder nach dem Motto „Beraten statt Taten“. Das mit dem Impfen kriegen wir nicht in den Griff und das mit dem Testen noch weniger. Aber das war ja bei Masken, Desinfektionsmitteln und VORbereitung auf eventuelle Pandemien auch schon nicht anders. Vielleicht sollten mal die Politiker zugrunde gelokdaunt werden und dafür Mediziner und Wissenschaftler die Verwaltung der anderen Plage übernehmen?

Die Welt- und Lichtstadt ist nach wie vor stolz auf ihre zum Umland vergleichsweise geringen 7-Tage-Inzidenzwerte. Und damit das so bleibt, werden Kontakpersonen ohne Symptome oder mit Symptomen aber schon in Quarantäne nach Möglichkeit nicht getestet – ganz anders als im Umland. Wenn dann so jemand beim Gesundheitsamt anruft und trotzdem getestet werden will, bekommt er die Ermahnung, daß das zwar möglich sei, er aber bedenken müsse, daß er dann bei positivem Befund 14 Tage in Quarantäne müsse …Trump hätte es nicht besser machen können.

PS: Ich hoffe auf ein sonniges Ostern.

PoC

Kürzlich fiel mir wieder ein, daß das Kürzel „PoC“ schon für „proof of concept“ stand, als Pippis Vater noch Negerkönig war. Ob das denen klar ist, die so gern ganz besonders korrekt sprechen?

Das mit den verbotenen N-, F-, Z- und wer weiß was sonst noch für Worten ist auch so ein Irrläufer. Wie kann man denn ernsthaft glauben, daß Worte sich verbieten ließen? Selbst bei den Erfindern der auch euphemistisch als „political correctness“ bezeichneten Scheinheiligkeit gab es schon vor langer Zeit die Erkenntnis, daß es nicht hilft, Worte zu verbieten, wenn der Sinn bleibt.

Schneckenrennen

(12.März2021) „Bayern prescht voran“ – die Schlagzeilen werden immer mehr zu Flachwitzlieferanten. Unter „voran preschen“ hätte ich jetzt was anderes verstanden, als daß über ein Jahr nach Bekanntwerden der Coronapandemie und über ein halbes Jahr nach glaubhafter Aussicht auf einen Impfstoff angekündigt wird, daß in drei Wochen in Bayern auch Hausärzte impfen dürfen.

Man hätte ja die Zeit seit 2003 (SARS-Pandemie das Original) oder wenigstens die Zeit seit Ende 2019 (SARS II) nutzen können, um gewisse Planungen durchzuführen und Vorbereitungen zu treffen. Andererseits sind 18 Jahre ja schon recht knapp…

Ob irgendwann jemand merkt, daß dieser ganze Ökonimisierungs- und „just in time“-Quatsch für Katastrophenschutz, Gesundheitssystem, Militär und Winterdienst nicht funktioniert? Jetzt wird langsam deutlich was Neoliberalismus und ein kaputtes Bildungssystem bewirken können.

Oxymoron der Woche: „korrektes Gendern“

…und noch eine…

(5.März2021) …noch so eine Schlagzeile: Anhand von anonymisierten Handynutzungsdaten wurde festgestellt, daß die Mobilität der Menschen wieder auf Vorcoronaniveau angekommen ist.

Was sagt uns das?

Erstens: Ups, Handynutzungsdaten werden – natürlich anonymisiert – zur Erstellung von Bewegungsprofilen genutzt. Möchte mal wissen, wo wir alle ausdrücklich zugestimmt haben, daß das mit unseren Daten gemacht werden darf.

Zweitens: Sag ich doch: Arschlecken. Wenn die obersten Führer sich so benehmen, als wollten sie nicht ernst genommen werden, dann werden sie auch nicht ernst genommen. Der Wahlkampf macht die Sache nicht besser.

Schlagzeilen

(4.März2021) Gerade las ich die Schlagzeile, daß drei der mir am wenigsten zusagenden Biermarken unter Druck geraten seien. Kommt es nur mir so vor oder könnte das daran liegen, daß es genau diese Sorten sind, die vor Corona zwar auf jeder größeren Veranstaltung vertreten waren, die aber keiner nimmt, wenn daneben auch gutes (oder zumindest irgendein anderes) Bier zur Auswahl steht.

Anscheinend trinken die Leute im Homeoffice eher nach Geschmack als nach Marke. Gut so. Das macht mir Mut in Zukunft nicht mehr ständig die sittliche Reife abgesprochen zu bekommen, nur weil ich Wein trinke der mir schmeckt, weil er mir schmeckt und nicht extra trockene Plörre die einem alles zusammen zieht, weil das Kenner so machen.

Politisch korrektal

(2.März2021) Als wäre politisch nicht schlimm genug. Muss es denn jetzt ums Verrecken politisch korrekt sein? Nach ziemlich genau 28 Jahren höre ich wieder freiwillig regelmäßig Rundfunksendungen, und zwar nicht, weil ich es vermisst hätte, sondern weil ich mir aus nostalgischen Gründen einen Röhrenrundfunkempfänger zugelegt habe. Kanal der Wahl bzw. auch der Qual ist DLF Kultur. Zum größten Teil recht hörenswerte Inhalte – wenn da nur nicht die zwanghaft politisch korrektal verhunzte Sprache wäre. Das Mitsprechen von Gendersternchen führt dazu, daß selbst gesprochene Sprache im Kopf hakt. Und weil Schwachfug die Neigung hat sich zu verselbstständigen, kommt es dann auch zu doppelt unsinnigen Gendersternchenpausen bei Worten, die dies nicht mal in der Genderideologie erfordern. Zum Beispiel, wenn von einer konkreten Autorin gesprochen wird, aber statt „Autorin“ „Autor *Pause in“ gesagt wird. Ich warte nur noch auf Pinkelr*innen und Bäum*innen.

Gerade läuft eine Diskussion darüber, ob weiße Menschen literarische Werke von im Dunkeln nicht so gut zu sehenden Menschen übersetzen dürfen. „Nein!“, sagen manche. Auch Schwarze. Damit verbietet sich ja neuerdings jede weitere Diskussion, weil ja die Betroffenen gesprochen haben. Hoffentlich sind dann nicht nur weiße Schriftsteller automatisch Rassisten, wenn sie ihre Werke nicht von schwarzen Übersetzern übersetzt wissen wollen. Eine Begründung lautet übrigens, daß es nicht nur um Sprache geht, sondern der Übersetzter auch den entsprechenden Hintergrund braucht. Dürfen Texte von Nazis dann auch nur noch von Nazis übersetzt werden? Nebenbei: Werden aus Nazis Nazis*sen, wenn man versucht politisch korrektal zu sprechen?

Wenn man den ganzen Quatsch weiterspinnt, sollte man sich im Geiste schon mal von deutsch synchronisierten Filmen verabschieden, denn es kann unmöglich so viele farbige Synchronsprecher geben die Deutsch sprechen wie es farbige Schauspieler in internationalen Filmen gibt. Bücher dürfen dann bald nur noch in Umlauf gebracht werden, wenn ein Zertifikatsstempel auf dem Buchdeckel prangt, der verkündet, daß das Buch garantiert von einer Person gleicher geschlechtlicher Identität, Hautfarbe, Gesinnung und Religion übersetzt wurde.